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Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig Köln umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im Zentrum einer aktuellen Kunstausstellung steht Man Rays Fotografie Le Violon d’Ingres (1924), die die Sängerin, Schauspielerin und Malerin Alice Prin – genannt Kiki de Montparnasse (1901–1953) – als Rückenakt zeigt. Inspiriert von Werken des klassizistischen Malers Jean-Auguste-Dominique Ingres überführt Man Ray das Motiv ins 20. Jahrhundert: Er ergänzt in der Dunkelkammer die Schalllöcher einer Geige auf Kikis Rücken, sodass ihr Körper zum Klangkörper eines Streichinstruments wird – eine Anspielung auf Ingres‘ Leidenschaft für das Geigenspiel. Der im Museum Ludwig Köln gezeigte Abzug stammt aus der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber und ist eine von Man Ray eigenhändig signierte spätere Reproduktion jener Fassung, die als teuerste je versteigerte Fotografie 2022 Schlagzeilen machte. Die Präsentation beleuchtet Entstehung und Rezeptionsgeschichte dieser Ikone des Surrealismus.
Kiki war in Armut aufgewachsen und verdiente ihren kärglichen Lebensunterhalt in Paris als „Sängerin, Schauspielerin, Malerin, Königin von Montparnasse“, wie später auf ihrem Grabstein zu lesen war. Seit frühester Jugend stand sie außerdem Modell für Maler. 1921 begegnete sie dem US-amerikanischen Maler und Fotografen Man Ray. Die beiden wurden ein Paar. In den acht Jahren ihrer Beziehung fotografierte Man Ray sie immer wieder, oft als Akt oder in Nahaufnahmen. Eines der berühmtesten Bilder, das dabei entstand, ist Le Violon d’Ingres. Von Le Violon d’Ingres existieren zwei Urfassungen. In der ersten malte Man Ray die Schalllöcher auf den Fotoabzug. Dies ist das Bild, das André Breton 1924 in der surrealistischen Zeitschrift Littérature veröffentlichte und das heute im Centre Pompidou, Paris, aufbewahrt wird. Für die zweite Fassung ging Man Ray anders vor. Er fertigte eine Schablone der Schalllöcher und erzeugte so in der Dunkelkammer ein Fotogramm kombiniert mit einem Print vom Negativ des Rückenakts. Der Abzug im Museum Ludwig stammt als spätere Reproduktion von dieser zweiten Urfassung ab und kam mit der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber 1977 ins Museum. Man Ray signierte den Abzug eigenhändig mit „E.A. Man Ray“. E.A. steht dabei für „Épreuve d'artiste", also einen Künstlerabzug, und ist bei Sammler*innen besonders begehrt. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig: „Das Museum Ludwig beherbergt über einhundert Fotografien, Gemälde und Objekte sowie umfangreiches Archivmaterial zu Man Ray. Le Violon d’Ingres zählt zu den bekanntesten Werken der Kunst- und Fotogeschichte und ich freue mich, unser Publikum dank dieser konzentrierten Präsentation tiefer in das Werk, seine Entstehung und Rezeption einzutauchen zu lassen."
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